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Verständnis für HIV- Infektion und AIDS
Laut Schätzung der WHO sind 42
Millionen Menschen mit dem HI-Virus
infiziert, täglich infizieren sich 16.000 Menschen neu. In Österreich sind ca.
14.000 Personen HIV infiziert, die Hälfte davon in Wien, seit Bekannt werden
der Immunschwäche AIDS (1983) über 2.000 Menschen erkrankt, 1.300 bereits
verstorben. Täglich gibt es in Österreich ein bis zwei Neuinfektionen, die
eigentlich meistens zu verhindern gewesen wären.
Das HI-Virus zählt zu den RNA-
Viren, seine Erbsubstanz ist in der RNA im Virusinneren gespeichert. Dort
befindet sich auch das Enzym (Reverse Transkriptase), das die Virus-RNA in eine
Virus-DNA übersetzten kann, und so in die DNA einer Wirtszelle eingeschleust
werden kann.
Im menschlichen Organismus
haftet das Virus mittels eines Rezeptors „gp120“(Glykoprotein 120) an den
CD4- Rezeptoren im Körper. Diese speziellen Rezeptoren befinden sich nur an
wenigen Stellen im Organismus: an den CD4-Helferzellen, an Immunzellen von Haut
und Schleimhaut, sowie einigen Stützzellen im Nervengewebe. Nach dem Andocken
wird die RNA des HI-Virus in die menschliche Zelle mit Hilfe der Reversen
Transkriptase als DNA eingebaut. Diese infizierte menschliche Zelle wird
gezwungen, neue Viren zu produzieren. Zur Reifung der neuen Viren wird eine
Protease von der Wirtszelle bereitgestellt, sodass die Wirtszelle abstirbt.
Dieser Vorgang wiederholt sich nun während des ganzen Lebens eines Infizierten.
Bis zu einer Milliarde neue Viren können täglich gebildet werden. Immer
weniger Immunzellen und CD-4 Helferzellen stehen im Verlauf der Erkrankung dem
Organismus zur Immunabwehr zur Verfügung.
Man unterscheidet das HIV-1 mit
9 Subtypen und HIV-2 mit 5 Subtypen. Diese Subtypen unterscheiden sich
genetisch, einzelne Subtypen sind auf geographische Regionen beschränkt.
Die Infektiosität von HIV ist
gegenüber von anderen Viren (Schnupfen-, Masern-, Hepatitisviren) relativ
gering. Gelangt das HI- Virus an die Luft, oder ist die kontaminierte Flüssigkeit
bereits eingetrocknet, so ist es innerhalb kurzer Zeit nicht mehr infektiös.
Hochinfektiöse Körperflüssigkeiten:
Blut, Menstruationsblut, Sperma, Vaginalflüssigkeit, Hirnflüssigkeit,
Muttermilch, Rückenmarksflüssigkeit.
Niedriginfektiöse Körperflüssigkeiten:
Schweiß, Speichel, Tränenflüssigkeit, Harn, Stuhl enthalten die HI-Viren in
zu geringer Konzentration, sodass sie kein Infektionsrisiko darstellen.
Unverletzte Haut bietet einen
guten Schutz vor Infektionen, gefährdete Hautpartien sind Schleimhäute in der
Vagina, im Darm, Mund und die Bindehaut des Auges.
Es gibt keine bestimmte
Risikogruppe, sondern nur risikoreiches Verhalten!
Hohes
Infektionsrisiko:
Gemeinsames
Benutzen von i.v.- Injektionsnadeln („needle-sharing“)
Ungeschützter
Sexualverkehr: vaginal, anal, oral.
Beim
Geburtsvorgang für das Kind einer HIV-positiven Mutter, besonders wenn sie in
der Schwangerschaft keine Therapie erhalten hat.
Geringes
Infektionsrisiko:
Nadelstichverletzungen
von medizinischen Personal
Blutkonserven
werden in Österreich streng kontrolliert, die Wahrscheinlichkeit einer
Infektion beträgt weniger als 1: 1.000.000.
Da jeder Mensch einem
Verletzten „Erste Hilfe“ leisten muss, sind verschiedene Maßnahmen
notwendig, damit es zu keiner Infektion von HIV oder Hepatitis kommt. Man kann
nicht erkennen, ob der Verletzte eine
Infektionskrankheit hat oder nicht!
Vermeidung
des Kontaktes mit Blut und blutenden Wunden – Einmalhandschuhe verwenden!
Der
Kontakt mit fremdem Blut, wenn die eigene Haut unverletzt ist, ist ungefährlich,
trotzdem das Blut so bald wie möglich mit Wasser und Seife gründlich
abwaschen!
Wenn
fremdes Blut in eine eigene offene Wunde gelangt, muss die Wunde zuerst durch
Bluten sich selber reinigen (solange als möglich viel Blut auspressen),
anschließend mit Wasser reinigen und sofort mit einem alkoholhältigen
Hautdesinfektionsmittel desinfizieren und mindestens 30 Sekunden einwirken
lassen. Diese Lösungen sind gegen Viren sehr wirksam.
Mund-
zu Mundbeatmung ist normalerweise nicht gefährlich, außer es gelangt fremdes
Blut in eine Wunde im Mundbereich des Helfenden. In jedem Fall
sollte immer ein Beatmungstuch dazwischen gelegt werden oder die Beatmung
durch die Nase durchgeführt werden.
HI-Viren überleben außerhalb
des menschlichen Organismus nur wenige Minuten.
Gemeinsamer
Gebrauch von Besteck, Geschirr, Gläsern, Handtüchern, Bettzeug, Wäsche,
Toilettartikel
Berühren
von Gegenständen: Türklinken, Geld, Telefone,…
Benützung
von öffentlichen Toiletten, Hallenbad, Sauna
Anhusten,
Anniesen, direkter Kontakt mit Tränen oder Speichel
Berühren
von Haut zu Haut: Händeschütteln, Umarmen
Intime
Berührungen wie Schmusen, Küssen auf den oder im Mund, Streicheln auch der
Geschlechtsorgane, Masturbation, Safer Sex (Keine Viren oder Bakterien können
ein intaktes Präservativ durchdringen)
Medizinische
Behandlungen (Zahnarzt), Blutspenden
Insektenstiche
(HI-Viren werden in den Verdauungssäften der Insekten sofort deaktiviert)
Das
Zusammenleben mit HIV-Positiven und AIDS-Kranken ist daher gefahrlos!
Nachweisverfahren
Die Vorgangsweise zur Durchführung
von HIV-Tests ist im Bundesgesetzblatt vom 23.09.1994 geregelt:
1.
Zwei Wochen nach dem Kontakt:
Direkter
Virusnachweis möglich: PCR-Test (Polymerase-Chain-Reaktion): eine geringe
Viruskonzentration des Blutes wird durch spezielle Reaktionen vermehrt und
dadurch nachweisbar (keine absolut sichere Aussage möglich)
2.
Zwölf Wochen nach
dem Kontakt:
HIV-Antikörpertest:
(ein sicheres Testergebnis), wird auch für Screening- Zwecke verwendet
Antikörper
des untersuchten Blutes reagieren
mit Viren, diese Reaktion wird mit Färbung sichtbar gemacht.
ELISA-Test:
ein sicherer Test, wenn die 12 Wochen-Frist eingehalten wird.
Western-Blot-Test:
Als Bestätigungstest mit nahezu 100%iger Spezifität.
Das
AIDS-Hilfehaus z.B. in Wien bietet kostenlose und anonyme HIV- Antikörpertests,
samt umfassender Gratisberatung an. Jeder Arzt kann mit einer Laborzuweisung
einen Test durchführen lassen, aber nur mit dem Einverständnis des
Betroffenen.
Die Erkrankung
Einige Wochen nach einer
Infektion treten meist Müdigkeit, Fieber, Glieder- Gelenksschmerzen,
Lymphknotenschwellung...auf, ähnlich einer schweren Grippe. Daran schließt
sich eine jahrelange Latenzzeit an, in der der Infizierte gesund, aber infektiös(!)
ist. 10 Jahren nach der Infektion sind etwa 50% der HIV-Positiven noch gesund.
Gegen Ende dieser verschieden langen Latenzzeit treten die ersten AIDS-
Vorfelderkrankungen auf, weil das Immunsystem zunehmend geschwächt wird: Gürtelrose,
Lungenentzündung, Pilzbefall des Mundes. Erst zu diesem Zeitpunkt erfahren
viele, die keinen Test gemacht haben, dass sie schon lange HIV-positiv waren!
Dann brechen verschiedenen
AIDS- Erkrankungen aus: Infektionen durch Mikroorganismen, die für gesunde
Menschen keine Probleme und keine Infektionsgefahr darstellen
„Opportunistische Infektionen“: Pneumocystis carinii Pneumonie, cerebrale
Toxoplasmose, Cytomegalievirusinfektionen des Auges, Candidainfektionen-
besonders in der Mundhöhle und verschiedene bösartige Tumore z.B. Kaposi
Sarkom.
1. PEP= Post Expositionelle Prophylaxe: gleich zu Beginn einer Infektion
z.B. Unfälle im Labor, Kondomplatzer im Verkehr mit HIV-Positiven (Anwendung
ideal in der ersten Stunde, spätestens innerhalb 24h- 48h nach einer
Exposition) um eine Infektion zu verhindern. Einnahme von Medikamenten 4 Wochen
lang, genaues Einnahmeschema befolgen, trotz starken Nebenwirkungen wie Übelkeit,
Durchfall...Eine intensive Beratung ist dabei erforderlich z.B. im AKH oder auf
der Baumgartnerhöhe in Wien.
2.
Frühtherapie: vor dem Auftreten von Antikörpern, wenn ein positiver PCR-Test
vorliegt. Eine Kombinationstherapie von etwa 1 Jahr wird empfohlen.
3.
Da die HIV-Infektion noch nicht heilbar ist und die Viren sich
immer weiter vermehren und das Immunsystem zerstören, der Patient aber möglicherweise
noch keine Beschwerden hat, muss ein idealer Zeitpunkt gefunden werden, mit
einer antiretroviralen Therapie zu beginnen.
Es gelten einige Kriterien:
Vollbild AIDS
Hohe Viruslast (Viruskonzentration im Blut durch Messung der Polymerase-Chain-Reaktion)
Ziel der Therapie:
1. Die Viruslast möglichst
dauerhaft unter die Nachweisgrenze zu senken (Ausrottung der Viren ist aber noch
nicht möglich)
2. Die Zahl der CD4- Zellen
steigern, sodass ein intaktes Immunsystem erhalten bleibt.
Antiretrovirale Medikamente
Protease-
Inhibitoren (PI): Sie hemmen eine Protease, die vom Virus produziert wird
und für die Reifung von viralen Eiweiß verantwortlich ist.
Viracept®, Cirixan®, Kletra®,
Invirase®,…
Nucleosidale
Reverse- Transkriptase- Inhibitoren (NRTI): Der Einbau der Virus-RNA in die
Wirtszelle wird gehemmt.
Retrovir®, Ziagen®, Epivir®,
Zerit®,…
Kombinationspräparate:
Combivir®, Kivexa®, Trizivir®:
Kombination von zwei bzw. drei NRTIs
Nicht-
Nucleosidale Reverse- Transkriptase- Inhibitoren (NNRTI): Die HIV Reverse
Transkriptase wird direkt gehemmt.
Viramune®, Stocrin®
Fusionsinhibitoren:
Das Andocken der HI-Viren an die CP4- Rezeptoren wird verhindert.
Fuzeon®
Viele neue Ansatzpunkte wurden
durchforscht und einige wurden schon in Studien erprobt.
Integrasehemmer: Der Einbau von Viruserbmaterial in die menschliche Erbmasse wird verhindert durch Blockierung des Enzyms Integrase.
Amerikanische Wissenschaftler haben vor kurzem ein Bakterium gefunden, das das HIV angreifen und einschließen kann.
Bei der Therapie, um das
Vermehren von HI-Viren einzudämmen, wird immer eine Kombination von mehreren Präparaten
vorgeschrieben. So kann die Lebensqualität verbessert und die Lebenserwartung
stark erhöht werden. Jedem Patient wird in Spezialambulanzen oder von
spezialisierten Ärzten eine eigene Therapie verordnet, die sich nach seinen
Lebensgewohnheiten richtet, um sie genau nach Zeitplan
befolgen zu können.
Oft kann die Therapie besonders
zu Beginn zu starken Nebenwirkungen führen: Übelkeit, Erbrechen,
Leberbelastungen, Allergien, Fettumverteilungstörungen…Es gibt auch viele
Interaktionen mit anderen Medikamenten, die über Cytochrome in der Leber
abgebaut werden (orale Kontrazeptiva, einige Antihypertensiva, Antibiotika,
Johanniskraut…)
Alternative Behandlungsmethoden
werden hauptsächlich verwendet, um die Nebenwirkungen zu mildern, die
verschiedenen Beschwerden angenehmer zu machen.
Resistenzentwicklung
Das HI- Virus kann durch
Mutationen bei der Vermehrung Veränderung ihrer Erbinformationen vornehmen,
sodass verschiedene Virustypen entstehen, darunter können auch
medikamentenresistente Stämme entstehen. Um dies zu verhindern, muss jeder
Patient immer wieder optimal eingestellt werden! Das Einnahmeschema genau
befolgen- keine Therapiepausen vornehmen!
Wegen der hohen Mutationsrate
ist es bis jetzt der Wissenschaft noch nicht gelungen, einen wirksamen Impfstoff
gegen HIV zu entwickeln!
In Österreich sind wir in der
glücklichen Lage, dass die Krankenkassen für jeden die hohen Kosten für die
HIV-Kombinationstherapie übernehmen. Motivieren wir jeden HIV-Positiven, genau
die Anweisungen des Arztes zu befolgen, um lange den besten Erfolg mit der
Therapie zu haben!
Impfungen
Da das Immunsystem bei
HIV-Positiven geschwächt ist, sollte jede Impfung genau überlegt und mit dem
Arzt besprochen werden.
Bei Totimpfstoffen (Cholera,
FSME, Grippe, Pneumokokken, Hepatitis A und B) treten nicht mehr Nebenwirkungen
auf als bei HIV-Negativen, das Gleiche gilt für Diphtherie und Tetanus.
Gegen Pneumokokken, Hepatitis A
und B sowie Grippe wird eine Impfung von der Impfkommission sogar empfohlen,
weil HIV-Positive ein erhöhtes Risiko haben, diese Erkrankungen zu bekommen.
Lebendimpfstoffe (Masern,
Mumps, Röteln, Gelbfieber, Varizellen, Pocken) beanspruchen das Immunsystem zu
sehr, sodass es zu lebensbedrohlichen Reaktionen kommen kann!
Ernährungstipps
Lebensmittelhygiene
ist besonders für HIV-Positive wichtig!
Obst
und Gemüse sollte immer gut gewaschen werden.
Die
Kühlkette sollte strikt eingehalten werden.
Auf
Speisen mit erhöhtem Infektionsrisiko sollte verzichtet werden: Rohmilch, Mouse
au choccolat, Sushi, Rostbeef…
Bei
Entzündungen im Mundbereich keine sauren und scharfe Speisen essen- besser
Babynahrung, Püriertes, gekühltes Essen. Die Gleitfähigkeit mit Speiseöl
oder Obers erhöhen.
Bei
Durchfällen auf ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr achten.
Speisen sollten fett- laktose- und ballaststoffarm sein.
Am 1. Dezember ist
Welt-Aids-Tag, ein weltweiter Gedenk- und Aktionstag im Zeichen von AIDS. Denken
wir nicht nur an diesem Tag an diese Krankheit, sondern schützen wir uns selbst
und helfen den von der Infektion Betroffenen, die sozialen Probleme und
Vorurteile der Gesellschaft besser zu bewältigen.