Jeder
achte Österreicher leidet unter Veränderungen der Schilddrüse, an einer Über-
oder Unterfunktion. Frauen sind 5x häufiger betroffen als Männer.
Die
Schilddrüse ist eine kleine schmetterlingsförmige Drüse an der
Halsvorderseite dicht unter dem Kehlkopf. Sie umgibt mit zwei Lappen die Luftröhre.
Sie ist etwa 30 Gramm schwer. Beim Gesunden ist sei normalerweise nicht zu
sehen. Eine vergrößerte Schilddrüse bezeichnet man als Kropf - Struma.
In
den Zellen dieser endokrinen Drüse werden
wichtige Hormone T3- „Trijodthyronin“(Liothyroxin), T4-„Thyroxin“
(Levothyroxin) produziert, indem
an die Aminosäure Tyrosin drei oder vier Jodatome angelagert werden. Von T4
werden täglich ca. 100mcg gebildet, es ist weniger wirksam als T3, von dem
nur 3-10mcg synthetisiert werden. Diese Hormone werden in der Schilddrüse
auch gespeichert und bei
Bedarf freigegeben. Reguliert wird die Synthese und auch die
Abgabegeschwindigkeit vom Hypophysenvorderlappen- Hormon Thyreotropin (TSH).
Es muss also unbedingt genügend Jod in der täglichen Nahrung vorhanden sein,
damit eine ausreichende Menge an Schilddrüsenhormen gebildet werden kann.
Schilddrüsenhormonen haben
Einfluss im ganzen Organismus für den normalen Ablauf von Stoffwechselvorgängen
von Kohlenhydraten, Fett und Cholesterin, regulieren
Herzrhythmus, Kreislauf, Verdauung, Fruchtbarkeit, fördern die Wärmeentwicklung,
regulieren auch den Grundumsatz. Unentbehrlich
sind Schilddrüsenhormone für die Wachstums- und Reifungsprozesse des
Skeletts, der Haut, Haare und Nägel sowie
für die Gehirnentwicklung.
Anamnese
Abtasten
des Halses
Labor:
Blutuntersuchungen zur Bestimmung des Hormongehaltes von THS, T4, T3 und
Antikörper gegen das Schilddrüsengewebe, Tumormarker. Die
Blutuntersuchung von TSH sollte immer am Vormittag stattfinden, weil sich
die Werte im Lauf des Tages sehr verändern.
Sonographie,
Szintigraphie (Kontrastmitteluntersuchung): Feststellen von Größe,
Volumen, Knoten, Entzündungen.
Feinnadelpunktion:
Entnahme von Gewebeproben
Bei
einer Überfunktion werden von der Schilddrüse zu viele Hormone gebildet,
sodass der Stoffwechsel beschleunigt wird, die Stoffwechselprozesse schneller
ablaufen: innere Unruhe, Hitzewallungen, Herzklopfen, Gewichtsverlust trotz
erhöhtem Appetit, Schlafstörungen, Durchfall. Die Betroffenen laufen auf
„Hochtouren“!
Weil
der Körper vermehrt Antikörper bildet, wird die Schilddrüse zu einer
vermehrten Bildung von Schilddrüsenhormonen angeregt. Die Ursachen für diese
Autoimmunerkrankung sind nicht bekannt. Die
Drüse ist dabei nur leicht und gleichmäßig angeschwollen. Aber bei 60% der
Patienten treten Augenbeschwerden auf: Trockenheit, Reizzustände, Sehen von
Doppelbildern, Druck hinter den Augen, Hervortreten der Augen (Exophthalmus).
Wachstumshormone werden durch diese Entzündung freigesetzt, sodass sich das
Binde- und Fettgewebe rund um das Auge vermehrt und
den Augapfel nach vorne drängt. „Merseburger Trias“ (nach dem
Geburtsort der Arztes C.A. Basedow): Exophthalmus, Struma und Tachykardie.
Diese Form der Schilddrüsenerkrankung tritt meist im Alter von 20 bis 40
Jahre auf.
In
jodarmen Gebieten (in den meisten Teilen Österreichs) tritt diese Schilddrüsenüberfunktion
bei Erwachsenen häufig auf. Weil zu wenig Jod in der Nahrung vorhanden ist,
kann die Schilddrüse nicht genug Hormone bilden, deshalb reagiert sie mit
verstärktem Wachstum. Die Drüse ist ungleichmäßig vergrößert und knotig.
In solchen Knoten (autonome Adenome) produzieren einzelne Zellen übermäßig
und ungebremst viele Schilddrüsenhormone, sie sind aber meist nicht
karzenogen. Augensymptome treten normalerweise keine auf. Wird das Struma zu
groß, können am Hals Engegefühl, Atemnot, Schluckbeschwerden und Heiserkeit
auftreten.
Im
Anschluss an eine Viruserkrankung kann es zu einer Entzündung der Drüse
kommen und dadurch zu einem vorübergehenden höheren Stoffwechsel. Der
Patient hat dabei starke Druckschmerzen, hohes Fieber.
seltener:
Bestimmte
Formen von Schilddrüsenkrebs, Tumore der Hirnanhangsdrüse, Einnahme von zu
hohen Dosen von Schilddrüsenhormonen.
Heiße
Knoten bestimmte
Gewebsbereiche produzieren keine Hormone
Kalte
Knoten produzieren
unkontrolliert Hormone
Die
genauen Ursachen sind nicht bekannt, oft wird die Krankheit vererbt, bestimmte
Medikamente haben einen Einfluss auf die Schilddrüse, zu geringe oder plötzlich
eine zu hohen Jodaufnahme werden als Auslöser der Erkrankung diskutiert.
Es
gibt kein charakteristisches Symptom, das für eine Überfunktion typisch ist,
es können viele verschieden Symptome auftreten:
Nervosität, innere Unruhe,
Tränenausbrüche, Aggressionen, Schlaflosigkeit...
Schnelle Erschöpfung
Zittern
der Hände, Muskelschwäche, unkontrollierbares Muskelzittern
Herzklopfen,
Pulsrasen oder unregelmäßiger Puls
erhöhte
Körpertemperatur, Hitzewallungen, warme feuchte Haut, Haarausfall
Gewichtsverlust
trotz erhöhtem Appetit, häufiger flüssiger Stuhlgang
unregelmäßiger
Zyklus
Augengbeschwerden
Medikamente: Hemmung von der
Bildung von Schilddrüsenhormonen durch Thyreostatika (Thioharnstoffe:
Favistan®, Prothiouracil® und Perchlorat: Irenat®)
Jod zur Verkleinerung des Jodmangelstrumas (ein bis zwei Jahre) und anschließend
zu Rezidivprophylaxe.
Eine
Kombination von Thyroxin und Jod ist möglich.
Operation: Wenn das Struma
auf die Luft- oder Speiseröhre drückt und Beschwerden verursacht, wird ein
Teil der Schilddrüse entfernt. Um ein Nachwachsen zu verhindern und eine
erneute Überproduktion, werden die Hormone medikamentös ersetzt.
Bei
einer Bestrahlung mit radioaktivem Jod werden die kranken Zellen zerstört und
die gesunden größtmöglich geschont.
Damit
kein Kropf auftritt, muss mit der Nahrung ausreichend Jod zugeführt werden.
Dem Speisesalz wird deshalb 20 mg Kaliumjodid pro Kilo Salz zugegeben.
Meeresfisch oder spezielle Mineralwässer enthalten auch viel Jod. Ein
Erwachsener benötigt täglich etwa 200 mcg, Kinder 50-1000 mcg Jod.
Wenn
ein Knoten am Hals entdeckt wird, muss sofort der Arzt aufgesucht werden
Regelmäßige
Kontrolle der Blutwerte
Vorsicht
mit jodhaltigen Röntgenkontrastmitteln!
Arzneimittel,
die Jod enthalten: Amiodaron (Sedacoron®) - dem Patienten eine regelmäßige
Kontrolle der Schilddrüse empfehlen!
Wenn
die Therapie genau eingehalten wird, kann der Patient mit einer Hyperthyreose
ein ganz normales Leben führen.
in
der Schwangerschaft ist eine ausreichende Versorgung besonders in den ersten
Monaten an Jod notwendig, damit beim Kind keine bleibenden Schäden auftreten.
In
den Wechseljahren der Frau kann es zu einer Entgleisung der Schilddrüsenfunktion
kommen, meistens zu einer Überfunktion. Da dann ein stärkerer Knochenabbau
als Aufbau stattfindet, und die immer weniger werdenden Östrogene
einen zusätzlichen Knochenmasseverlust bedingen, ist eine genaue
Schilddrüsenuntersuchung von großer Bedeutung.
Bei
einer Schilddrüsenunterfunktion werden zu wenige oder überhaupt keine
Hormone (Thyroxin und Trijodthyronin) gebildet. Je weniger Hormone die
Schilddrüse bildet, um so mehr versucht die Hypophyse die durch vermehrte
Abgabe von TSH auszugleichen. Alle Stoffwechselvorgänge im Körper laufen
deshalb verlangsamt ab.
Primäre
Form: die
Ursache liegt in der Schilddrüse selber.
Sekundäre
Form:
In der Hirnanhangsdrüse wird das schilddrüsenstimulierendes Hormon (TSH)
falsch gesteuert. Meistens sind Tumore die auslösenden Faktoren.
Tertiäre
Form:
eine seltene Störung im
Gehirn im Hypothalamus
Angeborene Form: die Schilddrüse
kann fehlen, oder sie sitzt an einer falschen Stelle, eine Störung während
der Schwangerschaft (falsche Hormoneinstellung der Mutter, Radiojodtherapie),
oder die Drüse kann nicht richtig Hormone produzieren. Wenn diese Mängel der
Schilddrüsenunterfunktion nicht innerhalb von einigen Tagen nach der Geburt
entdeckt werden, kann sich das Kind nicht mehr körperlich und geistig normal
entwickeln. Typische Symptome beim Neugeborenen sind eine Bewegungsarmut, eine
vergrößerte Zunge, Trinkschwäche, hohes Geburtsgewicht.
Erworbene Form: Entzündungen: durch
Immunerkrankungen der Schilddrüse
identifiziert der Körper dieses Organ als Fremdkörper und zerstört es
langsam durch eine chronische Entzündung (chronische Thyreoiditis Hashimoto).
Betroffen sind hauptsächlich Frauen ab 40. Heilung gibt es keine, aber gute
Therapiemöglichkeiten. Je früher die Hypothyreose erkannt wird, wenn zwar
TSH schon erhöht ist, aber die Schilddrüsenhormone noch im Normalbereich
sind, spricht man von einer subklinischen
Hypothyreose. In dieser Frühphase sind die Symptome noch sehr
untypisch, trotzdem sollte schon beim Auftreten eines Einzelsyptoms an eine
Schilddrüsenunterfunktion gedacht werden.
Iatrogene
Hypothyreose: nach
einer Schilddrüsenoperation, zu hoch dosierte Thyreostatika, nach einer
Radiojodtherapie
Da
eine Schilddrüsenunterfunktion alle Organ betrifft, treten viele Symptome
auf.
Kälteempfindlichkeit,
trockene schuppende Haut, dünnes Haar
Vermehrte Müdigkeit,
Schlafbedürfnis, verminderte Leistungsfähigkeit, Gedächtnisstörung,
Depression
Verringerter Appetit,
trotzdem Gewichtszunahme
Hyperlipidämie
Verstopfung
Heisere tiefe Stimme,
verwaschene Sprache
Zyklusstörungen, verminderte
sexuelle Lust, Fertilitätsstörung
Wenn
durch eine Blutuntersuchung der Wert von TSH (dem Hormon, das die Ausschüttung
der Schilddrüsenhormone reguliert) erhöht ist, sind der Stoffwechsel und die
Produktion der Schilddrüsenhormone erniedrigt.
Substitution mit L-Thyroxin
(T4). Zu Beginn meist mit 0,025 mg, Blutkontrollen spätestens nach 6 Wochen
und dann ein Steigern der Dosis. Euthyrox®(T4), Thyrex®(T4), L-Thyroxin(T4).
CombithyrexT4,T3), Trijodthyronin(T3).
Gleichzeitigens
Führen eines Tagebuches über die Beschwerden und Symptome.
Einnahme von Levothyroxin nüchtern,
am besten eine Stunde vor dem Frühstück. So ist gewährleistet, dass die
geringe Wirkstoffmenge an Hormon in den Körper aufgenommen wird.
Patienten
mit grenzwertigen TSH- Werten werden in Österreich gegenüber anderen Ländern
mit Schilddrüsenhormonen behandelt, damit ein Fortschreiten der Erkrankung
verhindert wird.
Die
Behandlung muss meist lebenslang durchgeführt werden.
Bei
älteren Menschen tritt oft eine Leistungsschwäche als einziges Symptom einer
Schilddrüsenunterfunktion auf- diese Veränderung wird oft nur dem Alter
zugeschrieben. Bis zu 10% aller Patienten mit Depressionen haben eigentlich
eine Hypothyreose.
Wenn
die Dosierung gut eingestellt ist und die Therapie genau eingehalten wird,
kann man ein völlig normales Leben führen.
Immer
wieder über Thyroxin als ein
Anti-Aging-Hormon spekuliert, weil
es den Stoffwechsel ankurbelt. Bei Mäusen wurde durch eine regelmäßige
Verabreichung von Thyroxin ein höherer Stoffwechselumsatz beobachtet und eine
Verlängerung der Lebenserwartung von 25% gegenüber der normalen
Kontrollgruppe. Bisher konnte für den gesunden Menschen aber noch keine
lebensverlängernde Dosis gefunden werden, denn eine falsche Dosierung kann möglicherweise
tödlich wirken!
Ab
dem 40. Lebensjahr sollte routinemäßig der Schilddrüse untersucht werden.
Jod
wurde von dem französischen Chemiker Bernard Courtois (1777-1838) im Jahre
1811 das erste Mal als Element gewonnen.
Jod(J)
gehört zur Gruppe der Halogene. Es besitzt die Ordnungszahl Z = 53 im
Periodensystem der Elemente. Reines Jod ist
schwarz-grau mit einem metallischen Glanz und geht bereits bei Raumtemperatur
in den gasförmigen Zustand über. Beim Erhitzen bilden sich violette Dämpfe,
die eine starke Reizung auf die Augen und die Schleimhäute des Atemtrakts ausüben.
Sein Name leitet sich von dem griechischen Wort „ioeides“ = violett,
veilchenartig ab. In der Natur kommt es in geringer Konzentration im Boden, in
bestimmten Gesteinen, in Seen, dem Meer und sogar in der Luft vor.
Industriell gewonnen wird es vor allem in
Salpeterlagerstätten oder
aus Seetang. Jod kommt in Meeresfisch, jodiertem Speisesalz und zum Teil auch
im Trinkwasser vor. Relativ viel Jod ist in Broccoli, Karfiol, Lauch, Kiwi und
Johannisbeeren enthalten.
Jod
ist ein essentielles Spurenelement. In der Medizin findet es Anwendung als
Desinfektionsmittel, als Schilddrüsenmedikament und als Röntgenkontrastmittel.
Als Nahrungsergänzung wird es in Form von Natrium-Kaliumiodat Speisesalzen
zugesetzt. Für den Fall einer radioaktiven Verseuchung der Umwelt stehen
Kaliumiodidtabletten zur Verfügung, damit Jod einige Tage lang in einer erhöhten
Menge eingenommen werden kann. Dadurch wird die Schilddrüse mit ungefährlichem
Jod „abgesättigt“ und der Einbau von radioaktiv verseuchtem Jod
vermindert.
Jodmangel
ist weltweit verbreitet. Weltweit leben ca. 1 Milliarde Menschen unter
Jodmangelbedingungen. In der 3. Welt werden 20 Millionen Säuglinge mit
Behinderung pro Jahr geboren, weil in der Schwangerschaft ein Jodmangel der
Mutter nicht substituiert wird. Österreich gehört zu den Jodmangelgebieten,
wobei der Jodmangel besonders in den Gebirgsgegenden ausgeprägt ist. Dort ist
Jod am Ende der Eiszeit durch abschmelzendes
Gletscherwasser auswaschen worden und verloren gegangen.
Nahrungsmittel, die auf diesem Böden wachsen, können deshalb viel weniger
Jod aus der Erde aufnehmen. Sie sind jodarm. Die Weltmeere hingegen sind
jodreich. Deshalb findet man in Küstenregionen auch eine bessere
Jodversorgung der Menschen.
Ein eindeutiges Symptom für eine Schilddrüsenunter- oder Überfunktion gibt es nicht. Beim Auftreten von diversen Beschwerden kann eine Überprüfung der Schilddrüse oft eine Erklärung finden.